Bava Metzia 64

Kapitel 64

א מדברי שניהם נלמד צער בעלי חיים דאורייתא ואפי' ר"ש לא קאמר אלא משום דלא מסיימי קראי אבל מסיימי קראי דרשי' ק"ו משום מאי לאו משום צער בעלי חיים דרשינן
1 Aus den Worten beider lernen wir, daß die Tierquälerei [ein Verbot] der Tora ist, denn auch R. Šimo͑n ist seiner Ansicht nur aus dem Grunde, weil die Schriftverse nicht bezeichnet sind, wenn sie aber bezeichnet wären, würden wir [den Schluß] vom Leichteren auf das Schwerere gefolgert haben; doch wohl wegen der Tierquälerei. –
ב דלמא משום דאיכא חסרון כיס וה"ק ומה טעינה דלית בה חסרון כיס חייב פריקה דאית בה חסרון כיס לא כ"ש
2 Vielleicht aber, weil in dem einen Falle ein Geldschaden vorliegt, und [dieser Schluß] lautet also: wenn man aufladen [helfen] muß, wobei kein Geldschaden vorliegt, um wieviel mehr abladen, wobei ein Geldschaden vorliegt. –
ג וטעינה אין בה חסרון כיס מי לא עסקינן דאדהכי והכי בטיל משוקיה אי נמי אתו גנבי ושקלי כל מה דאיכא בהדיה
3 Kommt es denn nicht vor, daß auch beim Aufladen ein Geldschaden vorliegt, wenn er nämlich währenddessen den Markt versäumt oder Diebe kommen und alles, was er bei sich hat, wegnehmen!? –
ד תדע דצער בעלי חיים דאורייתא דקתני סיפא ר' יוסי הגלילי אומר אם היה עליו יתר [על] משאו אין זקוק לו שנאמר (שמות כג, ה) תחת משאו משאוי שיכול לעמוד בו לאו מכלל דת"ק סבר זקוק לו מאי טעמא לאו משום דצער בעלי חיים דאורייתא
4 Es ist zu beweisen, daß die Tierquälerei [ein Verbot] der Tora ist, denn im Schlußsatze lehrt er: R. Jose der Galiläer sagt, ist es übermäßig belastet, brauche man es nicht, denn es heißt: <i>unter seiner Last</i>, eine Last, die es tragen kann. Demnach ist der erste Autorder Ansicht, man müsse es wohl; doch wohl aus dem Grunde, weil die Tierquälerei [ein Verbot] der Tora ist. –
ה דלמא בתחת משאו פליגי דרבי יוסי סבר דרשינן תחת משאו משאוי שיכול לעמוד בו ורבנן סברי לא דרשינן תחת משאו
5 Vielleicht streiten sie über [die Auslegung der Worte] <i>unter seiner Last</i>; R. Jose ist der Ansicht, man deduziere: <i>unter seiner Last</i>, eine Last, die es tragen kann, und die Rabbanan sind der Ansicht, man deduziere dies nicht.
ו תדע דצער בעלי חיים לאו דאורייתא דקתני רישא הלך וישב לו ואמר לו הואיל ועליך מצוה לפרוק פרוק פטור שנאמר עמו ואי סלקא דעתך צער בעלי חיים דאורייתא מה לי איתיה למריה בהדיה ומה לי כי ליתיה למריה בהדיה
6 Es ist auch zu beweisen, daß die Tierquälerei kein [Verbot] der Tora ist, denn im Anfangsatze lehrt er: Wenn [der Eigentümer] fortgeht, sich hinsetzt und zu ihm sagt: da dir dies geboten ist, so lade ab, so ist er davon frei, denn es heißt: <i>mit ihm</i>. Wenn man sagen wollte, die Tierquälerei sei [ein Verbot] der Tora, so ist es ja einerlei, ob der Eigentümer sich daran beteiligt oder sich daran nicht beteiligt!? –
ז לעולם צער בעלי חיים דאורייתא מי סברת פטור פטור לגמרי ודלמא פטור בחנם וחייב בשכר וה"ק רחמנא כי איתיה למריה בהדיה עבד גביה בחנם וכי ליתיה למריה בהדיה עבד גביה בשכר ולעולם צער בעלי חיים דאורייתא
7 Tatsächlich ist die Tierquälerei [ein Verbot] der Tora, denn unter ‘frei’ ist nicht zu verstehen, er sei ganz frei, vielmehr braucht er dies nicht unentgeltlich zu tun, wohl aber gegen Belohnung. Der Allbarmherzige meint es also: beteiligt sich der Eigentümer daran, so tue man es unentgeltlich, und beteiligt sich der Eigentümer daran nicht, so tue man es gegen Belohnung; und die Tierquälerei ist tatsächlich [ein Verbot] der Tora.
ח (סימ"ן בהמ"ת בהמ"ת אוה"ב שונ"א רבצ"ן)
8 
ט לימא מסייע ליה בהמת עובד כוכבים מטפל בה כבהמת ישראל אי אמרת בשלמא צער בעלי חיים דאורייתא משום הכי מטפל בה כבהמת ישראל אלא אי אמרת צער בעלי חיים לאו דאורייתא אמאי מטפל בה כבהמת ישראל התם משום איבה
9 Ihm wäre eine Stütze zu erbringen: Mit dem Vieh eines Nichtjuden befasse man sich ebenso wie mit dem Vieh eines Jisraéliten. Allerdings muß man, wenn du sagst, die Tierquälerei sei [ein Verbot] der Tora, sich mit einem solchen ebenso befassen, wie mit dem Vieh eines Jisraéliten, weshalb aber muß man, wenn du sagst, die Tierquälerei sei kein [Verbot] der Tora, sich mit einem solchen ebenso befassen, wie mit dem Vieh eines Jisraéliten!? – Dies um Feindseligkeit [zu vermeiden].
י הכי נמי מסתברא דקתני אם היתה טעונה יין אסור אין זקוק לה אי אמרת בשלמא לאו דאורייתא משום הכי אין זקוק לה אלא אי אמרת דאורייתא אמאי אין זקוק לה ה"ק ולהטעינה יין אסור אין זקוק לה
10 Dies ist auch einleuchtend, denn er lehrt: Ist es mit Libationsweinbeladen, so braucht man dies nicht. Erklärlich ist es, daß man es nicht braucht, wenn du sagst, dies sei kein [Verbot] der Tora, wieso aber braucht man es nicht, wenn du sagst, dies sei [ein Verbot] der Tora!? – Er meint es wie folgt: Libationswein aufladen [helfen] braucht man nicht. –
יא תא שמע בהמת עובד כוכבים ומשאוי ישראל וחדלת ואי אמרת צער בעלי חיים דאורייתא אמאי וחדלת עזב תעזב מבעי ליה לעולם צער בעלי חיים דאורייתא התם בטעינה
11 Komm und höre: Gehört das Vieh einem Nichtjuden und die Last einem Jisraéliten, so darf man es unterlassen. Wieso unterlasse man es, wenn du sagst, die Tierquälerei sei [ein Verbot] der Tora, man sollte ja ablasten [helfen]!? – Tatsächlich ist die Tierquälerei [ein Verbot] der Tora, nur wird da vom Aufladen gesprochen. –
יב אי הכי אימא סיפא בהמת ישראל ומשאוי עובד כוכבים עזב תעזב ואי בטעינה אמאי עזב תעזב משום צערא דישראל
12 Wie ist demnach der Schlußsatz zu erklären: Gehört das Vieh einem Jisraéliten und die Last einem Nichtjuden, so helfe man ablasten. Wieso [helfe] man ablasten, wenn du sagst, hier werde vom Aufladen gesprochen!? – Wegen des Herzleides des Jisraéliten. –
יג אי הכי אפילו רישא נמי רישא בחמר עובד כוכבים סיפא בחמר ישראל מאי פסקת סתמא דמלתא איניש בתר חמריה אזיל
13 Demnach sollte dies auch vom Anfangsatze gelten!? – Der Anfangsatz spricht von einem nichtjüdischen Eseltreiber und der Schlußsatz spricht von einem jisraélitischen Eseltreiber. – Wieso ist dies ausgemacht!? – Es ist das Gewöhnliche; jeder geht hinter seinem Esel. –
יד והא וחדלת ועזב תעזב בפריקה הוא דכתיבי
14 [Die Worte] <i>unterlassen</i> und <i>ablasten</i>werden ja aber beim Abladen gebraucht!? –
טו א"ל הא מני רבי יוסי הגלילי היא דאמר צער בעלי חיים לאו דאורייתא
15 Vielmehr, hier ist die Ansicht R. Jose des Galiläers vertreten, welcher sagt, die Tierquälerei sei kein [Verbot] der Tora. –
טז ת"ש אוהב לפרוק ושונא לטעון מצוה בשונא כדי לכוף את יצרו ואי סלקא דעתך צער בעלי חיים דאורייתא הא עדיף ליה אפ"ה כדי לכוף את יצרו עדיף
16 Komm und höre: Hat man einem Freunde abladen und einem Feinde aufladen [zu helfen], so ist es geboten dem Feinde [zu helfen], um den Trieb zu beugen. Wenn man nun sagen wollte, die Tierquälerei sei [ein Verbot] der Tora, so sollte ja das anderevorgehen!? – Die Beugung des Triebes geht trotzdem vor. –
יז ת"ש שונא שאמרו שונא ישראל ולא שונא עובד כוכבים אי אמרת צער בעלי חיים דאורייתא מה לי שונא ישראל ומה לי שונא עובד כוכבים
17 Komm und höre: der Feind, von dem gesprochenwird, ist ein jisraélitischer Feind, nicht aber ein Feind aus den weltlichen Völkern. Wenn man nun sagen wollte, die Tierquälerei sei [ein Verbot] der Tora, so ist es ja einerlei, ob es ein jisraélitischer Feind oder ein Feind aus den weltlichen Völkern ist!? –
יח מי סברת אשונא דקרא קאי אשונא דמתניתין קאי
18 Du glaubst wohl, dies bezieht sich auf den in der Schrift genannten Feind; dies bezieht sich auf den in der Barajtha genannten Feind. –
יט תא שמע
19 Komm und höre: